Thekchen Chöling, Dharamsala, Himachal Pradesh, Indien - Bevor Seine Heiligkeit der Dalai Lama heute Vormittag zum zweiten Mal bei der Vereidigung von Sikyong (Präsident der tibetischen Zentralverwaltung) Penpa Tsering den Vorsitz führte, traf er sich mit Würdenträgerinnen und Würdenträgern und geladenen Gästen. Zu ihnen gehörten zwei indische Parlamentsmitglieder – Tapir Gao und Sujeet Kumar –, ein Parlamentsmitglied aus Chile – Luia Mala Valenzuela – und ein Parlamentsmitglied aus El Salvador – Jose Francisco Lira Alvarado, eine Delegation aus dem Vereinigten Königreich, bestehend aus Chris Law (schottisches Parlamentsmitglied und Vorsitzender der Parteienübergreifenden Parlamentariergruppe für Tibet im Vereinigten Königreich) und seiner Frau Kristy Doig, Wera Hobhouse (Parlamentsmitglied) und ihrem Ehemann William Hobhouse, Kerry McCarthy (Parlamentsmitglied), Alicia Kearns (Parlamentsmitglied) und zwei Beratern des US-Botschafters in Indien – Brand Kroeger und Isaiah Wartman.

Seine Heiligkeit ging vom Tor zu seiner Residenz durch den Tempelhof und nahm auf der Veranda unterhalb des Tempels Platz.
Zunächst sang eine Gruppe tibetischer Schülerinnen und Schüler die tibetische und die indische Nationalhymne. Anschließend rezitierten vier Mönche aus dem Namgyal-Kloster Gebete, um den Segen der Drei Juwelen – Buddha, Dharma und Sangha – zu erbitten. Es wurden Tee und Reis serviert, während ein Tashi-Shölpa-Tanz aufgeführt wurde.
Schüler des Tibetischen Kinderdorfs (Tibetan Children’s Village, TCV) sangen und tanzten und stellten dabei die Menschen und ihre Kleidung aus den drei Provinzen Tibets dar. „Wir sind das Volk Tibets, das Volk von Chenrezig, lasst uns vereint sein“, hieß es in dem Lied. Schließlich tauschten die Tänzerinnen und Tänzer paarweise Katas (Seidenschals) als Geste der Freundschaft aus.
Die Vorsitzende der Obersten Justizkommission Tibets, Yeshi Wangmo, überreichte Seiner Heiligkeit einen Kata sowie Darstellungen von Körper, Rede und Geist des Buddha. Anschließend verlas sie den Eid zur Übernahme der Verantwortung als Sikyong, und Penpa Tsering wiederholte die Worte nach ihr. Anschließend verlas sie die Zeilen des Wahrheitsgelübdes, die er erneut ordnungsgemäß nachsprach. Sie überreichte ihm einen Kata, und er setzte sich, um die Amtseide zu unterzeichnen. Der ehrenwerte Sikyong führte anschließend Niederwerfungen vor Seiner Heiligkeit durch und überreichte ihm Darstellungen des Körpers, der Rede und des Geistes Buddhas.

Während Schülerinnen und Schüler des TCV auf Flöten und Trommeln spielten, überreichten die scheidenden Kalöns (Minister) und ehemaligen Kalöns Penpa Tsering Katas. Anschließend wurde er gebeten, eine Antrittsrede zu halten. Penpa Tsering begann mit einer Begrüßung Seiner Heiligkeit: „Fürsprecher des Friedens, Symbol des tibetischen Volkes, Emanation von Avalokiteshvara, ich bin unendlich dankbar, dass Seine Heiligkeit sich freundlicherweise bereit erklärt hat, bei dieser Vereidigung des 17. Kashag den Vorsitz über die Zeremonie zu führen.
Ich begrüße die Gäste und Würdenträgerinnen und Würdenträger, die von weit her gekommen sind, um heute bei uns zu sein, sowie die Mitarbeitenden der tibetischen Zentralverwaltung (CTA) und die Mitglieder der Kloster- und Laiengemeinschaften.
Als ich 2021 an der Wahl zum Sikyong teilnahm, versprach ich, mich in Wort und Tat von allem fernzuhalten, was zu einer Spaltung mit anderen führen könnte. Dasselbe habe ich bei der jüngsten Wahl getan und wurde wiedergewählt. Ich möchte allen danken, die mir ihre Hilfe geschenkt haben.
Während der Amtszeit des 16. Kashag haben wir in Bezug auf die tibetische Politik, die Verwaltung und das Wohlergehen unseres Volkes unser Bestes gegeben. Was immer wir tun konnten, verdanken wir Seiner Heiligkeit dem Dalai Lama.
Die Menschen in Tibet sind Seiner Heiligkeit zutiefst zugetan, und sie sind unsere Inspiration für alles, was wir im Exil tun können. Ich möchte allen danken, die uns ihre Hilfe gewährt haben. Auch der 17. Kashag wird der Vision und den Anweisungen Seiner Heiligkeit, des Dalai Lama, folgen. Wir werden nach unseren Grundsätzen der Einheit, der Wahrheit und der unvoreingenommenen Verwaltung arbeiten.
Was die chinesische Verwaltung betrifft, fragen wir uns vielleicht, wie unser Ansatz Früchte tragen wird, aber wir sind entschlossen, den Dialog mit China zu suchen. Wir werden unser Bestes tun und alle uns zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, um unser Ziel zu erreichen.

Unter chinesischer Herrschaft ist die Lage in Tibet sehr kritisch geworden. Die chinesischen Kommunisten wenden alle möglichen hinterhältigen Mittel an, um die tibetische Gemeinschaft zu zerschlagen. Wir werden uns ihren Bemühungen widersetzen.
Um den Kampf für Tibet fortzusetzen, werden wir auf E-Governance setzen, wofür eine solide Grundlage erforderlich ist. Wir beabsichtigen, Technologie, Digitalisierung und künstliche Intelligenz einzusetzen. Wir werden eine Kommunikationsstrategie entwickeln, um dort Informationen bereitzustellen, wo sie benötigt werden, um die Bestrebungen der Tibeterinnen und Tibeter zu verwirklichen.
Wir werden harmonische Beziehungen pflegen, um unsere Einheit und Verbundenheit zu bewahren. Wir werden uns auch um die Schwachen in unserer Gemeinschaft kümmern und ihnen Gesundheitsversorgung und Versicherung zur Verfügung stellen. Die CTA und das tibetische Volk im Exil müssen autark sein. Wir werden unser Bestes tun, um unser Ziel zu erreichen. Ich möchte alle hier Anwesenden einladen, sich uns bei diesem Vorhaben anzuschließen.
Der 17. Kashag wird bei der Ausführung unserer Arbeit der Vision Seiner Heiligkeit folgen. Wir Tibeterinnen und Tibeter im Exil sollten nicht vergessen, dass wir im Exil leben. Wir sollten unser Bestes geben und die Entschlossenheit aufbringen, unseren Freiheitskampf fortzusetzen. Auch wenn die chinesischen Kommunisten alles daran setzen, unsere tibetische Identität zu zerstören, werden wir uns in unseren Bemühungen, unsere Kultur, Sprache und Traditionen zu bewahren, nicht entmutigen lassen.
Ich möchte den Regierungen und den Menschen in Indien, den USA und allen anderen Ländern und Völkern danken, die uns ihre Unterstützung gewährt haben.
Wir beten dafür, dass Seine Heiligkeit der Dalai Lama ein langes Leben habe und dass die Einhaltung seiner vier Verpflichtungen in der ganzen Welt gedeihen möge. Mögen wir Tibeterinnen und Tibeter innerhalb und außerhalb Tibets bald wieder zusammenkommen. Das ist mein innigstes Gebet.“

Junge Schülerinenn und Schüler der Yongling-Schule führten nach der Rede einen Tanz namens E-ma-ho auf, gefolgt von einer Darbietung der Kinder der Gangkyi-Petön-Schule.
Seine Heiligkeit erfreuten die beiden Vorführungen und er kehrte dann in seine Residenz zurück, dabei lächelte er und winkte den Menschen auf beiden Seiten des Hofes zu.










